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Dienstag, 3. September 2013

Mechelen und Lier - Von Belgien nach Roermond

Ein Besuch in Mechelen

Nach 90 Kilometern Fahrt erreichten wir Mechelen am frühen Abend. Wir entschieden uns für den Jachthaven Dijlestreek. Dieser kleiner Hafen bietet zwar lediglich Frischwasser und Landstrom, aber liegt recht schön und ist im Zentrum.


Der Fluß Dijle endet in Mechelen und kann von Sportboooten bis zu einer Brücke im Zentrum Mechelens befahren werden. Die Anlegestellen des Hafens sind direkt davor.

Mechelen begrüßte uns mit einigen Überraschungen
Wir wählten eine Anlegesstelle in ca. 150 Metern Entfernung zur Brücke. Wir hatten soeben das Anlegen abgeschlossen als eine belgische Bootscrew mit vier Personen auf uns zukam und uns ein Belgier mit einem Zwirbelschnurrbart beschimpfte, weil wir am falschen Platz angelegt hätten. Wo wir angelegt hatten, dürften nur Mitglieder seines Jachtclubs liegen. Er nannten uns sogar kriminell, weil wir unser Stromkabel an Land angeschlossen hatten!
Wir liefen die Stege komplett ab, um Genaueres zu erfahren. Einige Meter entfernt von der Brücke,  ganz am Ende, stand ein kleines Schild mit Anweisungen, das sehr gut versteckt war hinter einem Schiff. Keine Chance, dieses Schild vom Wasser aus zu sehen! Anscheinend erwartete der Hafenmeister hellseherische Fähigkeiten von seinen Gästen.


Das Schild im Hafen Dijlestreek in Mechelen
Wir waren etwas erstaunt über die preußischen Regeln. Belächelten das Ganze, parkten unser Boot innerhalb des kleinen Bereichs für Besucher und ließen uns nicht abhalten, uns eine schöne Zeit hier zu machen :)

Mechelen ist eine Reise wert! Obwohl es viel kleiner als Brügge oder Ghent ist, ist es eine wunderschöne Stadt mit mehr als 300 historischen Gebäuden, die in der Nacht schön beleuchtet waren. Natürlich bietet Mechelen auch viele schöne Restaurants, Cafés und Bars.


Das Zentrum in Mechelen


Vismarkt heißt diese gemütliche Stelle
Moderne Elemente in einer alten Stadt. In den rechteckigen Komplexen hinten ist ein ein großes Einkaufs- und Bürozentrum sowie ein modernes Wohnzentrum entstanden. Sieht man auf die andere Flußseite, so hat man das alte Mechelen vor sich.


Bars und Restaurants am Vismarkt

Das alte Mechelen. Schöne und gepflegte Häuser, wohin man kommt.

Historische Gebäude in Mechelen

Die Weiterreise nach Lier
Um Mechelen zu verlassen, mussten wir die Gezeitenschleuse nehmen. Wir verließen Mechelen am nächsten Tag am späten Nachmittag. Unser nächstes Ziel war nicht weit entfernt, es ging nach Lier bzw. einige Kilometer entfernt von Lier zum Emblem Jachtclub für eine weitere Übernachtung. Recht in der Nähe von Lier gibt es zwar einige Anleger im Netekanaal, aber wir befürchteten eine Menge Schwell von vorbeifahrenden Berufsschiffen und deshalb wollten wir in den geschützten Emblem Jachtclub.



Eingang des Jachtclubs Emblem, gut 3 KM entfernt von Lier



Das Vereinsschiff im Emelem Yachtclub


Im Jachtclub Emblem wurden wir herzlich willkommen geheißen vom sehr netten Hafenmeister. Hier gab es vieles; Elektrizität, Frischwasser und ein altes Arbeits-/ Fährschiff(?) das für die Zwecke des Jachtclubs umgebaut worden war und das unter anderem (wie auch ein Büro für den Hafenmeister, ein Deck zum Sitzen) große Duschräume bot. Nur das Damen WC soll kleiner gewesen sein als das Bad von Fiona!


Ein Spaziergang nach Lier
Unser Hafen war zwar sehr ruhig und lag mitten in der Natur, aber wir hatten den Wunsch, die nähere Umgegend zu erkunden. Wir machten einen Spaziergang von unsrem Hafen aus und erreichten durch einen kleinen Wald eine Straße, an der einige Geschäfte waren, so auch ein Lidl.
Es war zwar nicht geplant, nach Lier zu gehen, da es mindestens 3 Kilometer entfernt war, aber kurzentschlossen änderten wir unseren Plan und gingen los. Die Belohnung sollte ein leckeres Eis sein!


Die Kirche in der City von Lier

Night Life in Lier

Erneut waren wir von der Schönheit der Stadt überwältigt, die wir in fast jeder belgischen Stadt gefunden hatten, die wir besucht hatten. Nur hatten wir es hier überhaupt nicht solch ein wunderschönes Zentrum erwartet. Obwohl die Saison vorbei war, fanden wir die zahlreichen Außensitzplätze noch gut belegt. Auch am späten Abend war das Wetter noch so angenehm, dass man in leichter Kleidung draußen sein konnte. Überall in den Gassen duftete es nach leckeren Essen von den Restaurants. Natürlich gab es ein Eis und wir waren irgendwann in der Nacht zurück auf Fiona.

Ein Bad am Morgen - Von Belgien nach Roermond

Ghent -Mechelen

Unsere Reise sollte uns durch den Gezeitenstrom Boven-Zeeschelde nonstop nach Mechelen führen. Anhalten auf der Strecke wollten wir nicht, da wir die Anleger dort nicht mochten. Sie erinnerten uns zu sehr an Schiffsverladestellen für die Berufsschifffahrt in den Niederlanden. Unruhig, ungemütlich, mitten am Fluss/ Kanal mit jeder Menge (Berufs-) Schiffsverkehr.
Das bedeutete aber auch, dass wir etwa 90 KM an einem Tag fahren mussten.

Am Abend vorher prüfte Hafenmeister Rocco den Gezeitenkalender und instruierte uns, am nächsten Morgen vor 6:00 Uhr mit dem fallenden Hochwasser zu starten. Gesagt, getan: In aller Frühe standen wir auf und fuhren in der Dunkelheit los. Zum Glück war die Marina teils beleuchtet, so dass wir nicht völlig im Dunkeln fahren mussten. Die Schleuse war nur wenig von unserem Liegeplatz entfernt. In jeden Fall war sie nett beleuchtet, so dass wir uns gut orientieren konnten. Per Funk wurde uns die Wartestelle vor der entsprechenden Schleuse zugewiesen.



Schleuse Merelbeke, Ringvaart zu Boven-Zeeschelde

Schleusen brauchen immer Zeit und wenn wir fertiggeschleust waren, sollte es allmählich Sonnenaufgang werden. Zunächst mussten wir auf Berufsschiffe warten, die natürlich vor uns einfahren sollten. Der Schleusenvorgang lief ohne Probleme und wir freuten uns schon auf die Fahrt.

Gegen 7:15 waren wir hinter der Schleuse. Aber was war das? Wir wollten gerade Marschfahrt aufnehmen, als wir bemerkten, dass das Boot sehr unruhig war. Es zitterte regelrecht. Als wir mit kleinster Fahrt fahren wollten, starb sogar der Motor ab.
Shit happens! Was war los? Wir wussten es noch nicht genau, aber wir legten am Ende der Schleusenmauer an und ich nahm ein morgendliches Bad in der Schelde. Nicht ganz freiwillig, schließlich wollte ich mich um unseren Duoprop kümmern, da ich den Verdacht hatte, dass sich in den Propellern etwas verfangen haben könnte. Schließlich konnte ich ein Plastikteil zwischen den Propellern entfernen, das die Propeller in ihrer Arbeit behinderte. Danach konnten wir wieder normale Fahrt aufnehmen und ich war der Held des Tages ;)


Das Plastik vom Propeller


Die Boven-Zeeschelde bei Niedrigwasser
Während des Niedrigwassers herrscht am Fluss eine seltsame Atmosphäre. Es scheint, als hätte der Fluss das Land ausgespuckt. Es erinnerte mich ans Wattenmeer. Allerdings fand ich es für einen Fluss nicht passend. Da wir fast die ganze Zeit gegen die Sonne fuhren, konnte man das Ufer in Gleitfahrt nicht vom Fluss unterscheiden und wir mussten unsere Geschwindigkeit anpassen. Nicht umsonst raten die Revierführer, mittig zu fahren, da es sonst zu unliebsamen Berührungen kommen kann.

Bei der Stadt Temse stoppen wir, um Diesel aufzufüllen. Wir hatten den Tank in Nieuwpoort voll und Buch geführt, wie weit, wie viele Stunden etc. wir gefahren sind. Überraschung: Der Stundendurchschnitt betrug für uns kaum glaubhafte drei Liter. Drei Mal hatten wir kürzere Strecken mit Gleitfahrt, ansonsten war es angepasste Fluss- bzw. Kanalfahrt. Wir freuten uns natürlich sehr über den niedrigen Verbrauch.

In Temse besuchten wir zudem das chice Marina Gebäude.


Am Nachmittag erreichten wir die gezeitenabhängige Schleuse in Mechelen rechtzeitig und genossen ein sehr komfortables Schleusen am Schwimmsteg im Schleusenbecken.


Schleuse Mecheln




Samstag, 31. August 2013

Von Brügge nach Gent - Von Belgien nach Roermond

Brügge - Gent

Der Kanaal Ghent-Oostende führt uns von Brügge zur Ringvaart. Hier sehen wir viele Berufsschiffe bis wir in die Leie abbiegen und bis in die Stadt Gent fahren. Unser Zielhafen ist die Lindenlei Marina, die genau im Zentrum von Gent am früheren Gerichtspalast liegt. Wir liegen längsseits mit Blick auf Justizia. Eine spektakuläre Lage!


Lindenlei Marina vor dem früheren Gerichtsgebäude


Der Hafenmeister in seinem Büro in der Lindenlei Marina

Boote entlang der Leie in der Lindenlei Marina
In nur fünf Minuten erreichen wir das Viertel Graslei, das berühmt für seine vielen Cafés und für seine originalen historischen Gebäude ist. Überall stehen Kirchen, manchmal zwei oder drei nebeneinander. Wir genießen unseren Spaziergang und bewundern all die vielen Sehenswürdigkeiten wie auch das Schloß Gravensteen. Viele schöne Geschäfte entdecken wir. Auch das street life lässt nichts zu wünschen übrig, überall ist etwas los. Begeistert hören wir einem professionellen Pianisten auf einem Platz mit vielen anderen zu.


Shopping in Gent


Frontfassade des Rathauses von Gent

Schloß Gravensteen

Open Air Pianokonzert
Wir verlassen die Stadt am späten Nachmittag des nächsten Tag, da wir nur eine kurze Entfernung zu unserem nächsten Ziel zurücklegen müssen. Yachting Merelbeke liegt quasi am Rand von Gent, nur wenig entfernt von der Gezeitenschleuse Boven-Zeeschelde.
Bevor wir unseren Liegeplatz in Gent verlassen, sind wir inmitten eines tollen Spektakels. Eine traditionelle Ruderregatta mit sehr vielen teilnehmenden Booten. Teils sehr unterschiedlich in Größe, Stil und Besatzung. Noch dichter dran geht hier nicht; wir haben die erste Reihe von Boot aus und obendrein Kaffee und Kuchen!



Ausflugsboote in Ruderregatta

In Merelbeke wurden wir freundlich willkommen geheißen durch Hafenmeister Rocco. Die Anlegeplätze sind auf beiden Seiten der Schelde. Hafenmeister Rocco bat, zu ihm zu kommen, da er momentan beschäftigt sei. Wie sich herausstellte, waren wir auf der "falschen" Seite des Hafengebäudes. Die nächste Brücke war etwas entfernt. So musste Simone den Weg zu Fuß bewältigen. Rocco, ein netter und gleichvoll temperamentvoller Italiener wollte Simone zurückfahren in seinem Auto, wusste aber anscheinend nicht, dass ein Fußballspiel im benachbarten Fußballstadion begann. Daher waren einige Straßen gesperrt, so auch die Zufahrt zu den Liegeplätzen, wo wir lagen.
Man möge sich nun einen heißblütigen Italiener vorstellen, der eine hitzige Diskussion mit der belgischen Polizei führt, die ihn nicht auf SEINEN Hafen lassen! Und die Polizei ließ ihn tatsächlich nicht hineinfahren, so dass Simone eine 15-minütige Stadtrundfahrt durch Ghent erhielt, bis Simone und Rocce ohne Auto beim Boot ankamen ...


Merelbeke: Zwei Sealines auf der  "falschen" Seite des Hafens


Donnerstag, 29. August 2013

Von Nieuwpoort nach Brügge - Von Belgien nach Roermond

Nieuwpoort-Brügge

Es  ist Zeit, Goodbye zu Nieuwpoort zu sagen und unsere Reise in die Niederlande zu beginnen. Wir waren insgesamt eine Woche im Hafen und damit eigentlich zwei Tage länger als geplant.
Unser erstes Etappenziel ist Brügge. Unsere Route führt uns durch den Kanaal Plassendale-Nieuwpoort und durch den Kanaal Gent-Oostende.
Unsere Reise setzen wir fort mit der Ringvaart und einem kurzen Stück des Befaherens der Leie. Weiter geht es mit der Ketelvaart und der Schelde, wo wir Gent ansteuern werden.
Danach geht es über die Boven-Zeeschelde, die Rupel und die Dijle nach Mechelen.
Anschließend werden wir die Beneden-Nete, den Netekanaal, den Alberkanaal, den Kanaal Bocholt-Herentals sowie die Zuid-Willemsvaart und den Kanaal Wessem-Nederweert als auch die Maas in den Niederlanden bis zu unserem Zielhafen bei Roermond befahren.
Wir haben bis einschließlich Ende Oktober einen Liegeplatz gebucht haben. Somit ist die Saison für uns zwar kurz, aber wir haben somit noch mehrere Wochen Zeit, schöne Touren zu fahren.


Blick am Nachmittag zur Marina in Nieuwpoort
Die Brücken des Kanaal Plassendale-Nieuwpoort sind zwei Mal täglich geöffnet. Das bedeutet, dass wir in einem Konvoi von Brücke zu Brücke fahren, da wir dann natürlich nicht die einzigen sind, die unterwegs sind. Zuerst müssen wir durch eine gezeitenabhängige Schleuse fahren, die 3,5 Stunden vor und nach dem Hochwasser in Betrieb ist.
Etwas paradox scheint, dass die Zeiten der Brücken festgelegt sind während man den Zugang zu den Brücken erst bekommt, nachdem man eine gezeitenabhängige Schleuse gequert hat. An diesem Tag haben wir Glück: Um 9:00 Uhr passieren wir die Schleuse und sind genau zu richtigen Zeit an der Brücke, so dass wir nicht viel Zeit verlieren.
Die ersten Kilometer sind etwas stressig, mit vielen Booten, wovon einige Privatrennen fahren, um dann vor der nächsten Brücken motorend zu warten, da die Brücke erst öffnet, wenn der Rest in Sichtweite ist.
Dank des Schiff-Konvois gehen für uns die Brücken sehr schnell auf und nach zwei Stunden erreichen wir die historische Plassendale Schleuse.


Im Konvoi, Kanaal Plassendale-Nieuwpoort
Ab hier nehmen die den Kanaal Gent-Oostende, ein sehr hübscher Kanal, auf dem nur sehr wenige Berufsschiffe fahren. Unser Konvoi hat sich mehr und mehr aufgelöst, aber wir sind immer noch in Begleitung dreier Schiffe und dieser Mini-Konvoi sorgt dafür, dass für uns die Brücken schnell aufgemacht werden. Auf unserer Strecke in Belgien werden normalerweise nur für Berufsschiffe die Brücken sofort geöffnet, ein privates Boot muss - wenn es Pech hat, so lange warten, bis ein Berufsschiff kommt.
Die Fahrt mit dem Boot um Brügge ist wunderschön! Endlich erreichen wir unser Tagesziel, den Yachtclub Flandria . Hier begrüßt uns sehr herzlich die Hafenmeisterin Martine.

Clubhaus des Yachtclub Flandria
Der Yachtclub ist ein toller Platz für ein oder zwei Nächte. In der Marina gibt es Elektrizität, Wasser, Duschen/ Waschhäuser und kostenloses WiFi. Sogar einen vorabendlichen Bestellservice für frische Brötchen gibt es, so dass wir am nächsten Morgen unsere langersehnten frischen Croissants bekamen.
Es ist ruhig im Hafen und das Zentrum von Brügge ist in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar.

Die Stadt Brügge ist ein belgisches Superlativ und absolut wert, sie zu besuchen! Das Historische Zentrum ist überragend mit seinen prachtvollen Bauwerken, voller Atmosphäre mit seinen charmanten Lokalen.


Belfry am Marktplatz in Brügge

Einige Eindrücke aus Brügge: Typischer Schoko-Laden

Die Kanäle von Brügge






Dienstag, 27. August 2013

Fionas erster Ausflug - Von Belgien nach Roermond

Der Ausflug nach Veurne
 
Nach einigen Tagen der Bootsreinigung und des Studiums einiger Handbücher entschlossen wir uns, eine erste Exkursion zu machen.
Wir wollten einen kurzen Ausflug von Nieuwpoort nach Veurne und zurück unternehmen. Die komplette Wegstrecke beträgt insgesamt für die komplette Tour etwa 25 KM durch den Kanaal Nieuwpoort-Duinkerke, der ein recht kleiner Kanal ist. Da die Schleuse in Nieuwpoort lediglich dreieinhalb Stunden vor und nach Hochwasser in Betrieb ist, mussten wir um 9:00 am Morgen an der Schleuse sein. Am späten Nachmittag wollten wollten wir zurückschleusen. So hätten wir viel Zeit, Veurne zu besuchen und die obligatorische Bootsvignette für Flandern zu kaufen.

Wenn dort nur nicht die Wulpen Brücke gewesen wäre ...
Bei der Wulpen Brücke handelt es sich um eine Selbstbedienungsbrücke. In der Schleuse Nieuwpoort erhielten wir eine Chipkarte, mit der wir die Brücke bedienen sollten.


Ausflug über Wulpen

OK, die Brücke zu finden war einfach. Aber wo ist das Bedienpanel?  Ein netter Belgier half uns dabei. Unter der Überdachung steht ein brauner Schrank (Foto unten), den zu öffnen wir befugt waren.
Die Brücke öffnete sich, wir fuhren das Boot auf die andere linke Seite, legten an und  und wir wollten die Brücke schließen. "Waterway not free" erklärte uns das Wunderwerk der Schleusenschließtechnik. Natürlich war die Brücke frei, und zwar so, wie sie nur sein konnte. Jedoch wollte sie nicht schließen, da ein Detektor meldete, dass noch etwas in der Brücke sei. Da wir das Problem nicht lösen konnten, riefen wir um Hilfe, damit die Brücke wieder geschlossen werden konnte. Mittlerweile hatte sich ein Stau von Fußgängern, Fahrrad- und Autofahrern vor beiden Seiten der Brücke gebildet. Es schien so, als hätten wir das Dorf völlig geteilt und abgeriegelt. Natürlich wollten wir nicht einfach weiterfahren, irgendwie hätte das was von Fahrerflucht gehabt ... Und so warteten wir auf den Techniker und schlugen den Wartenden vor, die nächste, circa 300 Meter entfernte Brücke zu benutzen. Das machten die meisten Leute auch. Nur eine Frau nicht, die die ganze Zeit auf flandrisch rummotzte. Nach einer Stunde kam der Techniker, nach weiteren 45 Minuten gelang es ihm, die Brücke zu schließen unter tosendem Applaus der Wartenden und der Gäste des Kaffehauses, die eine köstliche Unterhaltung erfuhren. Für weitere Erheiterung sorgte die Tatsache, dass der etwas muffelig dreinblickende Techniker die Brücke per Hand runterkurbelte, da hier gar nichts mehr zu gehen schien. Während des gesamten Kurbelvorgang gab es einen ohrenbetäubenden Lärm durch den Warnton der Brücke zum Zeichen, dass die Brücke schloss. Irgendwann war sie dann runter und die Leute konnten die Brücke wieder benutzen.
Mutig geworden, setzte der Techniker die Brücke wieder per Fernsteuerung in Gang. Sie öffnete einwandfrei, aber ließ sich erneute nicht elektrisch schließen. Nun musste das ganze Theater von vorne losgehen.
Nach nunmehr drei Stunden verließen wir freundlich grüßend das Geschehen, da wir hier bestimmt nichts mehr tun konnten. Insgeheim sprachen wir dem armen Kerl unser Beileid aus und setzten unsere Reise nach Veurne fort. Für die Rückfahrt beschlossen wir, unser Verdeck samt Geräteträger abzubauen, damit wir unter die Brücke passten.


Wulpen bridge - closed
Nicht allzu weit von Veurne blockierte eine Eisenbahnbrücke unsere Weiterreise. Wir benutzten unser Funkgerät auf dem entsprechenden Kanal, aber nichts geschah. Wir hätten unser Verdeck zwar lösen können, aber aus irgendwelchen Gründen kamen regelrechte Sturzbäche von Wasser der Brücke hinuntergeschossen, die wir nicht abbekommen wollten. Wir entschlossen uns, am Steg vor der Brücke anzulegen, zu Fuß nach Veurne zum Hafenmeister zu gehen, wo wir die Vignette kaufen wollten.

Die Eisenbahnbrücke, die uns blockierte
Fiona am Steg vor der Brücke
Waiting for the vignette
Wir wussten nicht, dass der Hafenmeister bzw. der Schleusenwärter für die Vignette unsere Bootspapiere sehen wollte. Er schickte uns zurück zum Boot, um mit dem Boot nach Veurne zu fahren. Er versprach uns, dass er sich darum kümmern wollte, dass die Eisenbahnbrücke geöffnet werden sollte.
Erneut - die Eisenbahnbrücke blieb verschlossen. Keine Antwort über VHF. Letztendlich riefen wir die Schleuse in Nieuwpoort per Handy an, die für uns die Brücke innerhalb weniger Minuten öffnen ließen.
Nach einigem Schreibkram erhielten wir die Vignette, zahlten 40 Euro und besuchten die Stadt Veurne zu Fuß. Da wir so viel Zeit bei der Brücke verloren hatten, hatten wir leider nicht so viel Zeit wie erhofft.
Veurne stellte sich als charmante kleine Stadt mit einem schönen Marktplatz heraus.


Eine Schule in Veurne

Zentraler Marktplatz in Veurne
Unser Weg zurück durch die Eisenbahnbrücke war nicht einfacher als der Hinweg. Aber nach einer halben Stunde des Wartens wandten wir den alten Trick an und baten die Schleuse Nieuwpoort um Hilfe.

Zusammengefasst, wir brauchten wegen der Brücken neun Stunden für die Anreise und für den Vignettenkauf. Glücklicherweise war unser Weg zurück viel schneller.

Dennoch sind wir jetzt schon gespannt auf die restlichen 300 KM zurück nach Roermond durch ganz Belgien und fragen uns, ob wir noch öfter solchen widrigen Umstände ausgeliefert sind.

Freitag, 23. August 2013

Der Start in Nieuwpoort/ Belgien - Von Belgien nach Roermond

Die Abholung

Wir hatten uns entschieden, das Boot nach Nieuwpoort/Belgien liefern zu lassen anstatt direkt zum Zielhafen nach Roermond/ NL. Nieuwpoort ist viel näher an England als an Roermond, so dass wir unseren ersten Urlaub an Bord verbringen wollten mit der Durchfahrt durch ganz Belgien zu unserem Heimathafen. Die VVW marina in Nieuwpoort ist eine der größten in Nordeuropa, sehr chic und modern mit guter Infrastruktur, um das Boot auf die Reise vorzubereiten. Die Reise sollte uns durch Flandern sowie durch die großen belgischen Städte führen; Brügge, Ghent, Maasmechelen, Lier, durch Gezeitenflüsse, aber auch durch gemütliche alte Kanäle.


Das Hauptgebäude der VVW marina in Nieuwpoort
VVW marina Nieuwpoort
Die Lieferung des Boots erfolgte durch die Spedition morgens um 9:00 Uhr. Wir hatten einen Lift im voraus gebucht. Das Warten auf Fiona war extrem spannend, der Spediteur war um Punkt 9:10 Uhr vor Ort.
Da um diese Zeit noch Niedrigwasser vorlag, blieb das Boot einfach im Lift bis 13 Uhr. Hier stellten wir fest, dass die Bootsbatterien nahezu leer waren. Zum Glück waren unsere Landstromkabel lang genug, um die gut 60 Meter zum Stromkasten zu überbrücken.

Fiona hängt im Lift
Hier fing unsere Arbeit an. Zunächst leerten wir das Cockpit vom Tender, ein 240er Plastimo Schlauchboot und von dessen Außenborder, machten die Fender und Tampen, räumten unsere Sachen ins Boot und brachten die Registrierung an.
Wir wunderten uns, dass wir an der Slipstelle keine Steg sahen. Wir erfuhren, dass wir während des Kranens im Boot sitzen würden und dass wir zusammen mit dem Boot geslippt werden würden. Die Rampe war relativ flach. Obwohl die Fahrt ins Wasser für uns spannend war, klappte das Slippen wunderbar und auch der Diesel sprang beim ersten Mal ohne zu Murren an.

Fiona auf dem Weg ins Wasser

Stege
Wir konnten nicht widerstehen und machten einen kurzen Trip in Richtung Nordsee ...
Aber schon bald fuhren wir zu unserem Steg und erfreulicherweise klappte das Rückwärtseinparken gut.
Wir hatten eine schöne Liegestelle mit Frischwasser und Landstrom. Schließlich stand als erstes die Reinigung und Vorbereitung des Boots an. Das sollte die Hauptarbeit der nächsten Tage sein.




Die VVW Marina ist eine sehr schöne Marina mit ausgezeichneten Waschhäusern und  Sanitäranlagen. Zudem gibt es ein größeres Bootszubehörgeschäft sowie ein Volvo Penta Machinen- und Teilehändler. Mehrere Werften haben sich am Hafen niedergelassen, so dass hier alle möglichen Reaparatur- und Wartungsarbeiten durgeführt werden können.

Ein Waschraum in der Marina
Nieuwpoort ist in zweigeteilt: Nieuwpoort-Bad an der Meerseite und Nieuwpoort-Stad einige Kilometer im Land gelegen. Unsere Marina ist näher an Nieuwpoort-Stad und am letzten Abend besuchten wir ein italienisches Restaurant.


Das Zentrum von Nieuwpoort-Stad

Tram Station in Nieuwpoort-Stad

Donnerstag, 22. August 2013

Papierkram und Organisation


Die Planung

Ein Bootskauf bedeutet auch im nachhinein eine Menge Papierkram und Organisation: Ein Spediteur wurde mit der Verschiffung per Fähre beauftragt. Die Kranung wurde von uns vorab organisiert, so dass alles schnell und reibungslos abläuft, sobald das Boot geliefert wird.. Ein Liegeplatz im Hafen wurde vorab gebucht. Das Boot muss registriert werden. Da wir  UKW Funk an Bord haben, muss die Funkanlage bei der Bundesnetzagentur registriert werden zwecks Erteilung der Funknummern. Marinefirmen wurden vorab kontaktiert, z.B. zur Programmierung des UKW Funkgeräts (ein Funkgerät ist in Belgien Pflicht).
Das Boot z.B. beim WSA in Köln registriert werden, was für uns das Naheliegendste war. Unglücklicherweise streikten in der Woche die WSA Ämter, so auch "unseres" in Köln. Da wir nicht warten konnten, bis der Streik beendet war, beantragten wir per Express (geldzuschlag) eine ADAC Bootsregistrierung. Das erforderliche Dokument erhielten wir auf dem letzten Tag, denn am nächsten Tag ging es bereits zum Hafen Nieuwpoort/ Belgien an der Nordsee.